Nordirland: Drei Jahrzehnte der Gewalt beginnen
Als aus einem Bürgerrechtsmarsch ein Bürgerkrieg wurde
Der Nordirland-Konflikt Ein Versuch der Regierung, einen Bürgerrechtsmarsch irischer Katholiken zu stoppen, artet in Gewalt aus. Drei Jahrzehnte der Gewalt beginnen. 1969 - IRA teil sich Die IRA teilt sich in zwei Flügel - die marxistisch orientierte Official IRA und die mehr hardlinermäßige Provisional IRA.
Nach blutigen Unruhen in der Stadt Derry werden im August Einheiten der britischen Armee in Nordirland stationiert. Die katholische Minderheit betrachtet sie als Besatzungsmacht. Bei einem Anschlag protestantischer Milizen werden am 4. Dezember in Belfast 15 Menschen getötet.
Am 30. Januar, seither als Bloody Sunday bekannt, töten britische Soldaten in Derry 14 unbewaffnete Katholiken. Angesichts der eskalierenden Gewalt, die allein in jenem Jahr 474 Menschen das Leben kostet, wird das Regionalparlament aufgelöst und Nordirland britischer Direktverwaltung unterstellt.
21 Tote bei Anschlägen der IRA gegen Zivilisten in Birmingham. Bei einem Anschlag gegen die britische Armee tötet die IRA 18 Soldaten. Mit Lord Mountbatton wird erstmals ein Mitglied der Königsfamilie Opfer der Untergrundorganisation. Abkommen zwischen London und Dublin, mit dem der Republik Irland erstmals explizit das Recht auf teilnehmende Beobachtung der Nordirlandfrage eingeräumt wird.
1991-92 Mehrparteiengespräche über die Zukunft Nordirlands in London, bei denen erstmals protestantische Gruppen aus der Provinz mit der irischen Regierung an einem Tisch sitzen. Die Sinn Fein, der politische Arm der IRA, ist nicht beteiligt. Die Gespräche enden im November 1992 ergebnislos.
Ab Februar unterhält London Geheimkontakte zur IRA. Am 16. Dezember unterzeichnen die Regierungschefs Großbritanniens und Irlands, John Major und Albert Reynolds, die Downing-Street-Erklärung , in der die Rahmenbedingungen einer Friedensregelung aufgezeigt werden. Der Sinn Fein wird ein volles Mitspracherecht eingeräumt, falls die IRA der Gewalt abschwört.
1994 31. AUGUST Die IRA verkündet eine einseitige Waffenruhe. 13. OKTOBER Protestantische Milizen kündigen einen Waffenstillstand an. 1995 22. FEBRUAR Major und sein irischer Kollege John Bruton präsentieren ein Rahmenabkommen als Grundlage für Mehrparteien-Verhandlungen. London und Dublin erklären sich bereit, ihren Souveränitätsanspruch auf Nordirland aufzugeben.
- MAI London nimmt Gespräche mit der Sinn Fein auf. 1996 9. FEBRUAR Die IRA bricht ihre Waffenruhe durch ein Attentat in London, bei dem zwei Menschen getötet und etwa hundert verletzt werden. 10. JUNI In Stormont bei Belfast beginnen Friedensgespräche, von denen die Sinn Fein zunächst ausgeschlossen ist.
1997 16. MAI Der neugewählte britische Premierminister Tony Blair bietet der Sinn Fein neue Kontakte an. Ein erstes Treffen findet am 21. Mai statt. 16. JUNI Als die IRA zwei Polizisten erschießt, wird der Dialog wieder abgebrochen. 25. JUNI Blair schlägt vor, im September parallel zur Entwaffnung der Milizen mit Friedensgesprächen zu beginnen. Die Sinn Fein darf teilnehmen, falls die IRA eine Waffenruhe verkündet und diese sechs Wochen lang einhält.
- JULI Neue Waffenruhe der IRA tritt in Kraft. 14. SEPTEMBER Friedensgespräche beginnen mit Beteiligung der Sinn Fein. 27. DEZEMBER Der Mord an dem protestantischen Milizenchef Billy Wright im Hochsicherheitsgefängnis Maze löst eine wochenlange Anschlagsserie aus, in deren Verlauf mehrere Menschen sterben.
1998 30. MÄRZ Die Friedensverhandlungen treten mit täglichen Beratungen in die entscheidende Phase. 10. APRIL: Die Verhandlungspartner einigen sich auf ein Abkommen, über das Ende Mai bei Referenden abgestimmt wird. 22. MAI Volksabstimmungen in Irland und Nordirland billigen das am 10. April vereinbarte Friedensabkommen, das u. a. die Schaffung von Regionalparlamenten vorsieht.
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JUNI Bei der Wahl zum Provinzparlament in Stormont setzen sich Befürworter des Friedensprozesses durch. Der als gemäßigte geltende Protestantenführer David Trimble wird zum Ersten Minister Nordirlands bestimmt, sein Stellvertreter soll der moderate Katholik Seamus Mallon werden.
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AUGUST Bei einem Autobombenanschlag der Splittergruppe Wahre IRA (Real IRA) werden 35 Menschen verletzt. 8. AUGUST Die Protestantengruppe LVF (Loyalist Volunteer Force) gibt einen Gewaltverzicht bekannt. 15. AUGUST 29 Tote und 220 Verletzte durch Autobombe in Omagh.
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SEPTEMBER Die Parlamente Großbritanniens und Irlands stimmen schärferen Gesetzen bei Bekämpfung von Terrorismus zu. 10. SEPTEMBER Der protestantische Regierungschef David Trimble und der Präsident der pro-irischen Sinn Fein, Garry Adams, kommen als führende Vertreter der beiden politischen und religiösen Lager zum ersten Mal zusammen.
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OKTOBER Friedensnobelpreis für den protestantischen Unionisten David Trimble und den gemäßigten katholischen Nationalisten John Hume. 1999 10. MÄRZ Das Zieldatum für Bildung einer nordirischen Regionalregierung verstreicht wegen Streits um die Entwaffnung der IRA. Bei einem Anschlag im März 1999 wird die katholische Rechtsanwältin Nelson getötet 15. MÄRZ Die katholische Rechtsanwältin Rosemary Nelson wird mit einer Autobombe ermordet. Zu dem Anschlag bekennt sich eine protestantische Splittergruppe.
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JUNI Ein von Tony Blair gesetztes Ultimatum verstreicht, da bei Krisengesprächen in Belfast keine Einigung erzielt werden kann. 14. JULI Das britische Unterhaus beschließt ein Nordirland-Gesetz, das die sofortige Bildung der nordirischen Regionalregierung vorsieht. Die Unionisten von Trimble stimmen dagegen. Nach einem Treffen der Parteispitze lehnt Trimble eine gemeinsame Regierungsarbeit mit Sinn Fein ab. Dadurch lässt sich das Gesetz nicht umsetzen.
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NOVEMBER Die Irisch-Republikanische Armee erklärt sich zu Verhandlungen über ihre Entwaffnung bereit und gibt damit das seit langem erwartete Signal zur Überwindung der monatelangen Sackgasse im Friedensprozess. Zugleich kündigt sie die Berufung eines Beauftragten für die Gespräche mit der Entwaffnungskommission an.
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DEZEMBER Die nordirische Allparteienregierung tritt im Belfaster Parlamentssitz Schloss Stormont zu ihrer historischen ersten Sitzung zusammen. 2000 31. JANUAR Der Bericht der Entwaffnungskommission bestätigt, dass die IRA nicht wie vorgesehen mit der Waffenabgabe begonnen hat.
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FEBRUAR Als Konsequenz aus der Weigerung der IRA, ihre Waffen abzugeben, beschließt das britische Unterhaus die Absetzung der Mehrparteienregierung. Damit ist Nordirland ab dem 11. Februar wieder unter britischer Verwaltung. 9. FEBRUAR 2000 Das britische Unterhaus verabschiedet das Gesetz zur Wiederherstellung der Direktherrschaft über Nordirland mit großer Mehrheit.
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FEBRUAR 2000 Die britische Regierung übernimmt mit sofortiger Wirkung wieder die Direktherrschaft über die Provinz Nordirland. 15. FEBRUAR 2000 Die IRA bricht ihre Verhandlungen mit der Entwaffnungskommission ab. Sie erklärt ihre Erklärung vom 11.2. für ungültig, in der sie ihre Bereitschaft zur Abgabe der Waffen signalisiert hatte.
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FEBRUAR 2000 Ein vom britischen Premierminister Tony Blair einberufenes Krisengespräch zur Rettung des Friedensprozesses endet ohne Fortschritte. 2. Juli 2000 Auch in diesem Jahr kam es im Zuge der traditionellen Ostermärsche wieder zu schweren Ausschreitungen.
Über 80.000 Oranier marschierten durch Belfast und 17 andere Orte Nordirlands, um des Sieges des protestantischen Prinzen Wilhelm von Oranien über den katholischen König Jakob II. am 12. Juli 1690 zu gedenken. Schwer bewaffnete Soldaten und Polizisten verhinderten dabei in Belfast einen Marsch des protestantischen Ordens durch ein katholisches Viertel. In der Nacht zum Mittwoch war es bereits zu Straßenschlachten zwischen radikalen Protestanten und Einsatzkräften gekommen, bei denen allein in der Stadt Portadown 21 Polizisten und fünf Soldaten verletzt wurden. Ebenfalls am Vorabend war bei Feiern radikaler Protestanten ein Mann getötet worden.
- Juli 2000 Amnestien in Nordirland In Irland hat am Montag die letzte große Welle der vorzeitigen Entlassung von Häftlingen gemäß dem Friedensabkommen von 1998 begonnen. Nach elf Jahren Haft verließ der berüchtigte nordirische Terrorist Michael Stone das Hochsicherheitsgefängnis Maze südlich von Belfast. Etwa 80 weitere Exterroristen sollen ihm noch in dieser Woche in die Freiheit folgen. Bis zum Jahresende soll das Gefängnis geschlossen werden. In Maze saßen nur katholische und protestantische Untergrundkämpfer.
Mitte der 80er Jahre war es mit 800 Insassen Europas größte Haftanstalt seiner Art. 28. Juli 2000 Protestantische und katholische Terroristen freigelassen Aus dem nordirischen Maze-Gefängnis sind 86 protestantische und katholische Terroristen freigelassen worden. In der Hochsicherheits-Strafanstalt, die bald geschlossen werden soll, befinden sich jetzt noch 15 Häftlinge und 800 Aufseher. Die Gefangenen sollen in eine andere Anstalt verlegt werden, hieß es aus Belfast. Insgesamt sind im Rahmen des Friedensabkommens für Nordirland mehr als 400 Häftlinge auf freien Fuß gesetzt worden.
- November 2000 Neue Serie der Gewalt in Nordirland. In Nordirland sind in den vergangenen vier Monaten sechs Menschen bei Fehden zwischen pro-britischen Protestanten-Gruppen umgekommen. Die IRA und andere größere katholischen und protestantische Untergrundorganisationen halten dagegen einen Waffenstillstand ein.
Im sogenannten Karfreitags-Abkommen von 1998 war die Bildung einer gemeinsamen Regionalregierung und ein Gewaltverzicht vereinbart worden. US-Präsident Bill Clinton besucht Nordirland. In Dundalk und Belfast forderte er die Bevölkerung auf, ihre Anstrengungen um Frieden weiter fortzuführen. Clinton, der wie etliche andere US-Präsidenten irische Vorfahren hatte, hatte sich schon mehrfach in die Verhandlungen um Frieden in Nordirland eingeschaltet.
- März 2001 IRA offenbar zu neuen Gesprächen bereit Die Untergrundorganisation Irisch-Republikanische Armee (IRA) will offenbar die Friedensgespräche mit der britischen Regierung wieder aufnehmen. Nach Angaben der BBC erklärte sich die Organisation bereit, mit der Abrüstungskommission unter Vorsitz des Kanadiers John de Castelain “unter bestimmten Bedingungen”
zusammenarbeite. Dies setze jedoch voraus, dass die britische Regierung die bisherigen Vereinbarungen zur Polizeireform und der Truppenreduzierung einhalte. Bisher hatte war die IRA den Forderungen der Unionisten, ihre Waffen abzugeben, nicht nachgekommen.
Dieser Punkt ist der heikelste des Friedensprozesses.
- Geschichte Irlands Von der Kolonisierung bis zur Teilung der Insel
- Der Nahost-Konflikt Ursache, Charakter und Verlauf eines Jahrhundertkonflikts
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