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Konflikte

Geschichte Irlands

Von der Kolonisierung bis zur Teilung der Insel

Moritz Löser ·
  1. Das 20. Jahrhundert Das geteilte Irland 6a. Osterauftand, Teilung und Bürgerkrieg (1912-1922) 6b. Getrennte Wege im Süden und Norden 6c. Von 1949 bis heute und: Nordirland: The Troubles (1950-1998) 6. Das 20. Jahrhundert Das geteilte Irland 6a.

Osterauftand, Teilung und Bürgerkrieg (1912-1922) 1914 Home Rule Entgegen dem Widerstand der Unionisten wird das sogenannte ‘Home Rule’ (Selbstverwaltung für Irland), Gesetz im September, tritt aber nicht vor dem Ende des Ersten Weltkrieges in Kraft.

Ulster`s Unionisten akzeptieren einen Vorschlag der britischen Regierung, die sechs nordöstlichen Ulsterprovinzen von der Selbstverwaltung auszunehmen. Ulster (vielmehr die sechs Teilprovinzen) bleiben damit unter britischer Bestimmung. 1916 - Oster Aufstand (Easter Rebellion) Angeführt von Patrick Pears, besetzen am Ostermontag 1916 einige tausend Rebellen der ‘Irish Volunteers’ und der sozialistischen ‘Irish Citizen Army’ das Hauptpostamt in Dublin, und rufen die Irische Republik aus.

Nach fünf Tagen des Kampfes, mit über 400 Toten und ein paar Tausend Verletzten, geben die Rebellen auf. Im Mai werden die Führer der Rebellen exekutiert. 1920 Teilung (Partition) Der ’ Government of Ireland Act’ tritt in Kraft; es entstehen zwei Parlament in Irland: eins im Süden und eins im Norden. Die Teilung wird von den Unionisten begrüsst; Republikaner lehnen sie ab.

1922 - Irish Free State Treaty Gemäß dem ’ Irish Free State Treaty’ werden 26 der insgesamt 32 irischen Provinzen relativ autonom innerhalb des britischen Commonwealth.Die sechs nordirischen Provinzen bleiben im Vereinigten Königreich. Die Katholiken im Norden lehnen die Teilung weiterhin ab. Die Gewalt eskaliert.

6b. Getrennte Wege im Süden und Norden Erste Wahlen zum Dail Eireann unter der neuen Verfassung des Freistaates: Sinn Fein Abgeordnete nehmen ihre Sitze im Parlament nicht ein. Anhänger des Vertrages bilden Regierung unter W.T. Cosgrave und formieren sich als Partei Cumann na nGaedheal.

Der Freistaat Irland wird in den Völkerbund aufgenommen. Nach dem Scheitern der Grenzkommission wird der Verlauf der Staatsgrenze von London festgelegt. Der Staat Nordirland wird damit quasi künstlich geschaffen. Die Staatsgrenze wird so festgelegt, dass eine bequeme protestantische Bevölkerungsmehrheit innerhalb Nordirlands gegeben ist. Nordirland ist nicht gleich Ulster. Nordirland besteht nur aus sechs Grafschaften der Provinz Ulster. Hätte man ganz Ulster im neuen Staat vereinigt, hätte es keine ausreichend große protestantische Bevöllkerungsmehrheit gegeben. Außerdem wäre eine Staatengebilde dieser Größe schwieriger zu kontrollieren gewesen.

De Valera gründet eine neue Partei: Fianna Fail. Fianna Fail Abgeordnete leisten den geforderten Eid, treten in das Parlament ein und bilden die Opposition. Statut von Westminster: weitgehende Autonomie der Dominions (Freistaaten) des Commonwealth).

1932-48 Nach Wahlsiegen für Fianna Fail existieren jeweils Regierungen unter der Führung de Valeras. 1932-38 Zoll- und Handelskrieg zwischen dem Freistaat und Großbritannien. 1932 - Stormont Der ’ Prince of Wales’ eröffnet das neue Zuhause der Nordirischen Regierung in Stormont, in der Nähe von Belfast.

Gründung der Partei Fine Gael (Zusammenschluß von National Guard und Cumann na nGaedheal). Beteiligung irischer Freiwilliger und regulärer Armeeeinheiten am Spanischen Bürgerkrieg. Eoin O`Duffys Blueshirts kämpfen auf Francos Seite. Mitglieder des radikalen Flügels der IRA kämpfen unter den Internationalen Brigaden auf Seiten der Republik.

Im gleichen Jahr wird die IRA verboten. Das Oberhaus im Freistaat wird abgeschafft. 1936 / 37 Neue Verfassung für den Freistaat. Irland erhält die englische Marinestützpunkte an der irischen Küste zurück. Abschaffung des Eides auf den englischen König Douglas Hyde erster Präsident von Eire (Irland).

1939-1945 Irland bleibt neutral im Zweiten Weltkrieg. In Nordirland werden wichtige Marinestützpunkte der Amerikaner gebaut. Belfast wird zweimal von deutschen Bombern unter Beschuß genommen. Die britische Gesetzgebung für einen Wohlfahrtstaat wird sukzessive auch von Nordirland übernommen (1947:

Recht auf höhere Bildung; 1948: National Health Service (Gesundheitssystem)). 1949 Irish Republic Mit dem Republic of Ireland Act wird Irland unabhängige Republik und tritt aus dem Commonwealth aus. Großbritannien sichert Nordirland die Aufrechterhaltung der Teilung zu.

6c. Von 1949 bis heute und: Nordirland: The Troubles (1950-1998) 1948 - 1951 John A. Costello von der Partei (Fine Gael) wird erster Ministerpräsident (Taoiseach) an der Spitze einer Koalitionsregierung 1950 - 1998 ‘The Troubles’ Ein Versuch der Regierung einen Bürgerrechtsmarch irischer Katholiken zu stopen artet in Gewalt aus. Drei Jahrzehnte der Gewalt beginnen.

1951 - 1954 Fianna Fail erneut an der Macht. De Valera Ministerpräsident (Taoiseach). 1954 - 1957 Koalitionsregierung unter Costello. Aufnahme der Republik Irland in die UNO. Grenzkampagne der IRA. 1957 - 1973 Fianna Fail an der Macht. De Valera Ministerpräsident von 1957-1959) 1959 - 1973 De Valera Präsident der Republik Irland 1959 - 1966 Sean Lemass von der Partei Fianna Fail irischer Taoiseach.

1963 - 1969 Terence ONeil Premier in Nordirland Historisches Treffen zwischen ONeil und Lemass zunächst in Belfast, dann in Dublin. Erstmals seit 1921 nehmen die katholischen Nationalisten ihre Sitze im Nordirland-Parlament ein. 1921 waren die letzten freien gesamtirischen Wahlen. Seitdem nahmen die gewählten-Vertreter gemäß dem Abstentionsprinzip ihre rechmäßigen Plätze im Parlament nicht ein. Sinn Fein Abeordnete verfuhren bis 1998 nach diesem Prinzip. Gerry Adams, Vorsitzender von Sinn Fein ist Abgeordneter des von Westbelfast in Westminster in London, hat aber das Parlamentsgebäude in London bis heute nicht betreten.

1966 - 1973 Jack Lynch von Fianna Fail Taoiseach. Gründung der NICRA (Northern Ireland Civil Rights Association) Erste Demonstrationen der NICRA in Dungannon am 24. August. Zusammenstoß der Bürgerrechtsbewegung mit der Polizei in Londonderry am 5.Oktober.

1969 - IRA teil sich Die IRA teilt sich in zwei Flügel

  • die marxistisch orientierte ‘Official IRA’ und die mehr hardlinermäßige ‘Provisional

IRA’ genannt ‘Provisional oder Provos Protestanten überfallen einen Friedensmarsch der Organisation People`s Democracy von Belfast nach Londonderry. Nach blutigen Unruhen in der Stadt Derry werden im August Einheiten der britischen Armee in Nordirland stationiert. Die katholische Minderheit betrachtet sie als Besatzungsmacht.

Gründung der SDLP (Social Democratic and Labour Party: gemäßigt nationalistische Partei). Ian Paisley gründet die Democratic Unionist Party. Bei einem Anschlag protestantischer Milizen werden am 4. Dezember in Belfast 15 Menschen getötet. 1971 - 1972 Brian Faulkner Premier in Nordirland.

1971 - 1975

Einführung der Internierung (Internment

= Vorbeugehaft für Verdächtige, fast nur Katholiken interniert) Die Internierungskampagne der Regierung war ein Reinfall, da nur sehr wenige aktive IRA-Kämpfer tatsächlich interniert wurden. Am 30. Januar, seither als ‘Bloody Sunday” bekannt, töten britische Soldaten in Derry 14 unbewaffnete Katholiken. Angesichts der eskalierenden Gewalt, die allein in jenem Jahr 474 Menschen das Leben kostet, wird das Regionalparlament aufgelöst und Nordirland britischer Direktverwaltung unterstellt.

21.Juli: Bloody Friday (IRA Attentate in Belfast) Republik Irland und Großbritannien treten der EG bei. Sunningdale Konferenz: Übereinkunft zwischen der britischen und der irischen Regierung zur Einrichtung eines Council of Ireland. (Nukleus, Verbindungsorgan zwischen Nord- und Südirland.) Nordirlands Unionisten fühlen sich überrumpelt, da der Deal ohne ihr Einverständnis zustande kam.

Referendum in Nordirland: eine Mehrheit spricht sich für den Verbleib bei Grobritannien aus. 21 Tote bei Anschlägen der IRA gegen Zivilisten in Birmingham. Auf britische Veranlassung tritt eine gewählte Versamlung unter William Craig zusammen, um eine Lösung für Nordirland zu finden. Nach dem Scheitern de Gespräche kommt es zu neuen Gewaltausbrüchen.

Friedensbewegung (Women`s Peace Movement) Friedensnobelpreis für die Frauen Mairead Corrigan und Betty Williams. 1980 - 1981 Monatelanger Hungerstreik in nordirischen Gefängnissen: 10 Inhaftierte sterben dabei, unter ihnen der erst kurz zuvor gewählte Westminsterabgeordnete und ehemalige IRA Mann Bobby Sands.

Die Gefangenen protestierten gegen den ihnen aberkannten Status als Kriegsgefangene. Mit der Herabstufung der IRA Inhaftierten auf den Status von normalen Kriminellen, wollte man den Nordirland konflikt bagatellisieren. Nach Beedigung der Streiks wurde den IRA Gefangenen ihr ursprünglicher Kriegsgefangenstatus wieder zugesprochen. Bobby Sands ist heute mehr als ein Held. Durch seinen Tod wurde er zur Legende.

Bei einem Anschlag gegen die britische Armee tötet die IRA 18 Soldaten. Mit Lord Mountbatten wird erstmals ein Mitglied der Königsfamilie Opfer der Untergrundorganisation. Einrichtung ständiger Regierungskonferenzen zwischen Großbritannnien und der Republik Irland.

Abkommen zwischen London und Dublin, mit dem der Republik Irland erstmals explizit das Recht auf teilnehmende Beobachtung der Nordirlandfrage eingeräumt wird. (Hillsborought Agreement) 1991-92 Mehrparteiengespräche über die Zukunft Nordirlands in London, bei denen erstmals protestantische Gruppen aus der Provinz mit der irischen Regierung an einem Tisch sitzen. Die Sinn Fein, der politische Arm der IRA, ist nicht beteiligt. Die Gespräche enden im November 1992 ergebnislos.

Ab Februar unterhält London Geheimkontakte zur IRA. Am 16. Dezember unterzeichnen die Regierungschefs Großbritanniens und Irlands, John Major und Albert Reynolds, die “Downing-Street-Erklärung”, in der die Rahmenbedingungen einer Friedensregelung aufgezeigt werden. Der Sinn Fein wird ein volles Mitspracherecht eingeräumt, falls die IRA der Gewalt abschwört.

John Brutton von Fine Gael wird Taoiseach. 31. AUGUST Die IRA verkündet eine einseitige Waffenruhe. 13. OKTOBER Protestantische Milizen kündigen einen Waffenstillstand an. 22. FEBRUAR Major und sein irischer Kollege John Bruton präsentieren ein Rahmenabkommen als Grundlage für Mehrparteien-Verhandlungen. London und Dublin erklären sich bereit, ihren Souveränitätsanspruch auf Nordirland aufzugeben.

  1. MAI London nimmt Gespräche mit der Sinn Fein auf. 1996 9. FEBRUAR Die IRA bricht ihre Waffenruhe durch ein Attentat in London, bei dem zwei Menschen getötet und etwa hundert verletzt werden. Irlands Premier John Bruton (von rechts), der britische Premier John Major und Nordirland- Staatssekretär Sir Patrick Mayhew 10. JUNI In Stormont bei Belfast beginnen Friedensgespräche, von denen die Sinn Fein zunächst ausgeschlossen ist.

1997 16. MAI Der neugewählte britische Premierminister Tony Blair bietet der Sinn Fein neue Kontakte an. Ein erstes Treffen findet am 21. Mai statt. 16. JUNI Als die IRA zwei Polizisten erschießt, wird der Dialog wieder abgebrochen. 25. JUNI Blair schlägt vor, im September parallel zur Entwaffnung der Milizen mit Friedensgesprächen zu beginnen. Die Sinn Fein darf teilnehmen, falls die IRA eine Waffenruhe verkündet und diese sechs Wochen lang einhält.

  1. JULI Neue Waffenruhe der IRA tritt in Kraft. 14. SEPTEMBER Friedensgespräche beginnen mit Beteiligung der Sinn Fein. 27. DEZEMBER Der Mord an dem protestantischen Milizenchef Billy Wright im Hochsicherheitsgefängnis Maze löst eine wochenlange Anschlagsserie aus, in deren Verlauf mehrere Menschen sterben.

1998 30. MÄRZ Die Friedensverhandlungen treten mit täglichen Beratungen in die entscheidende Phase. 10. APRIL: Die Verhandlungspartner einigen sich auf ein Abkommen, über das Ende Mai bei Referenden abgestimmt wird. 22. MAI Volksabstimmungen in Irland und Nordirland billigen das am 10. April vereinbarte Friedensabkommen, das u. a. die Schaffung von Regionalparlamenten vorsieht.

  1. JUNI Bei der Wahl zum Provinzparlament in Stormont setzen sich Befürworter des Friedensprozesses durch. Der als gemäßigte geltende Protestantenführer David Trimble wird zum Ersten Minister Nordirlands bestimmt, sein Stellvertreter soll der moderate Katholik Seamus Mallon werden.

  2. AUGUST Bei einem Autobombenanschlag der Splittergruppe ‘Wahre IRA” werden 35 Menschen verletzt. 8. AUGUST Die Protestantengruppe LVF gibt einen Gewaltverzicht bekannt. 15. AUGUST 29 Tote und 220 Verletzte durch Autobombe in Omagh. 3. SEPTEMBER Die Parlamente Großbritanniens und Irlands stimmen schärferen Gesetzen bei Bekämpfung von Terrorismus zu.

  3. SEPTEMBER Der protestantische Regierungschef David Trimble und der Präsident der pro-irischen Sinn Fein, Garry Adams, kommen als führende Vertreter der beiden politischen und religiösen Lager zum ersten Mal zusammen. 16. OKTOBER Friedensnobelpreis für den protestantischen Unionisten David Trimble und den gemäßigten katholischen Nationalisten John Hume.

1999 10. MÄRZ Das Zieldatum für Bildung einer nordirischen Regionalregierung verstreicht wegen Streits um die Entwaffnung der IRA. Bei einem Anschlag im März 1999 wird die katholische Rechtsanwältin Nelson getötet 15. MÄRZ Die katholische Rechtsanwältin Rosemary Nelson wird mit einer Autobombe ermordet. Zu dem Anschlag bekennt sich eine protestantische Splittergruppe.

  1. JUNI Ein von Tony Blair gesetztes Ultimatum verstreicht, da bei Krisengesprächen in Belfast keine Einigung erzielt werden kann. 14. JULI Das britische Unterhaus beschließt ein Nordirland-Gesetz, das die sofortige Bildung der nordirischen Regionalregierung vorsieht. Die Unionisten von Trimble stimmen dagegen. Nach einem Treffen der Parteispitze lehnt Trimble eine gemeinsame RegierUngsarbeit mit Sinn Fein ab. Dadurch läßt sich das Gesetz nicht umsetzen.

  2. NOVEMBER Die Irisch-Republikanische Armee erklärt sich zu Verhandlungen über ihre Entwaffnung bereit und gibt damit das seit langem erwartete Signal zur Überwindung der monatelangen Sackgasse im Friedensprozess. Zugleich kündigt sie die Berufung eines Beauftragten für die Gespräche mit der Entwaffnungskommission an.

  3. DEZEMBER Die nordirische Allparteienregierung tritt im Belfaster Parlamentssitz Schloss Stormont zu ihrer historischen ersten Sitzung zusammen. 2000 31. JANUAR Der Bericht der Entwaffnungskommission bestätigt, dass die IRA nicht wie vorgesehen mit der Waffenabgabe begonnen hat.

  4. FEBRUAR Als Konsequenz aus der Weigerung der IRA, ihre Waffen abzugeben, beschließt das britische Unterhaus die Absetzung der Mehrparteienregierung. Damit ist Nordirland ab dem 11. Februar wieder unter britischer Verwaltung. 9. FEBRUAR 2000 Das britische Unterhaus verabschiedet das Gesetz zur Wiederherstellung der Direktherrschaft über Nordirland mit großer Mehrheit.

  5. FEBRUAR 2000 Die britische Regierung übernimmt mit sofortiger Wirkung wieder die Direktherrschaft über die Provinz Nordirland. 15. FEBRUAR 2000 Die IRA bricht ihre Verhandlungen mit der Entwaffnungskommission ab. Sie erklärt ihre Erklärung vom 11.2. für ungültig, in der sie ihre Bereitschaft zur Abgabe der Waffen signalisiert hatte.

  6. FEBRUAR 2000 Ein vom britischen Premierminister Tony Blair einberufenes Krisengespräch zur Rettung des Friedensprozesses endet ohne Fortschritte. Quelle: BBC-Online ZDF-Online Maurer, Michael:Kleine Geschichte Irlands. Reclam, Stuttgart 1998.

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