Derrière Online-Magazin für Politik und Gesellschaft
Konflikte

Nordirland: Chronologie 1968 bis 1972

Vom Bürgerrechtsmarsch zum Beginn der Troubles

Moritz Löser ·

Englische Truppen nach Nordirland Bürgerrechtsbewegung: Die ‘Northern Ireland Civil Rights Association (NICRA) organisiert im August Proteste gegen die Benachteiligungen von Katholiken bei der Vergabe von öffentlichem Wohnraum (‘Housing’). Am 5. Oktober lösen RUC Beamte mit schwingendem Knüppel einen Bürgerrechtsmarsch in Derry auf. Filmkameras dokumentieren den brutalen, überharten Einsatz der Sicherheitskräfte. Member of Parliament Gerry Fitt ist unter den Verletzten. Gewalttätige Ausschreitungen folgen im katholischen Bogside-Viertel von Derry (Londonderry).

Peoples Democracy: ein von Studenten der Queens University angeführte Demonstration wird am 9. Oktober von Loyalisten blockiert. Eine radikal links eingestellte Gruppe, Peoples Democracy wird aus der Taufe gehoben. Eine der Mitbegründer ist Bernadette Devlin.

Reformen: Nordirlandminister Terence ONeil wird nach London zitiert. Der britische Premier Harold Wilson äußert sich besorgt über die zunehmende Gewalt in der Provinz Ulster. Am 27. November verkündet ONeil einen fünf Punkte-Plan: darin verspricht er unter anderem für eine gerechtere Vergabe von Sozialwohnungen zu sorgen. Ein Ombudsmann soll installiert werden, der Special Powers Act überarbeitet werden und die Wohn- und Infrastruktur in den Gettos in Derry verbessert werden.

Bogside no-go: Peoples` Democracy organisiert einen Marsch von Belfast nach Derry. Der von den Medien begleitete Umzug wird am 4. Januar von einer größeren Zahl loyalistischer Gegendemonstranten aufgehalten. Die Loyalisten attackieren mit Schlagstöcken und Steinen.

Die Polizei kann oder will die Demonstranten von Peoples` Democracy nicht beschützen. Am Abend randalieren Reservisten der RUC im katholischen Bogside-Viertel, treten Türen ein und zertrümmern Fenster. Die Bewohner schließen sich angesichts des wild gewordenen Mobs zu einer Abwehrgemeinschaft, einer Bürgerwehr zusammen und machen so die Bogside zu einer ‘No-go-area’ für die nordirische Polizei.

Britischer Premier besorgt: Englands Premier Harold Wilson äußert sich besorgt über die Entwicklung in der nordirischen Provinz. Ihm gehen die Reformen nicht schnell genug voran. Wahlen: O`Neil wird bei Wahlen am 24. Februar als Regierungschef bestätigt. Allerdings ist seine Mehrheit nicht ausreichend genug, die Reformen umzusetzen.

Bernadette Devlin (später McAliskey) gewinnt eine Wahl in Mid-Ulster. ONeil fällt: Terence ONeil tritt am 28. April von seinem Amt zurück. Sein Nachfolger wird James Chichester-Clark. Battle of the Bogside: Im Juli und August ziehen sich gewalttätige Ausschreitungen über die ganze Provinz hin. Die RUC ist zunehmend organisatorisch und personell überfordert, für die öffentliche Sicherheit zu sorgen. Die vehementesten Ausschreitungen fanden indes in Derry, im katholischen Viertel Bogside, statt. Nach einer Parade der protestantischen Apprentice Boys in Londonderry entzündet sich ein wahres Pulverfass. Tagelang dauern die Straßenschlachten im katholischen Gettho in Derry. Zur Verstärkung der lokalen RUC wird die britische Armee gesandt. Anfänglich werden die Soldaten von den Bewohnern warm empfangen.

IRA teilt sich: Die IRA teilt sich im Dezember 1969 in zwei Flügel - in die mehr marxistisch orientierte ‘Official IRA’ und die extremistisch militante ‘Provisional IRA’ ‘Internment’ und ‘Bloody Sunday’ UDR: Am 1. Januar 1970 wird das Ulster Defence Regiment gegründet.

Sinn Fein teilt sich: Sinn Fein wird sich teilen. Verantwortliche geben nach der Parteiversammlung (‘Ard Fheis’) am 11. Januar die Aufspaltung der Partei in zwei Flügel bekannt. Wie zuvor die IRA teilt sich Sinn Fein in ‘Official Sinn Fein’ und ‘Provisional Sinn Fein’.

Parteiaustritte bei UUP: Fünf Mitglieder des britischen Unterhauses der Ulster Unionist Party, Boal, McQuade, Craig, West und Laird, werden im März aus der Partei ausgeschlossen. Einen Monat später siegen Rev. Ian Paisley und Rev. William Beattie bei der Wahl zum Nordirischen Parlament in Belfast-Stormont in Bannside und South-Antrim für die als Hardliner bekannten Protestant Unionists.

SDLP: Im August wird die SDLP (Social Democratic and Labour Party) unter Vorsitz von Gerry Fitt gegründet. britischer Innenminister besucht Ulster: der neue britische Innenminister Reginald Maudling besucht im Juni Nordirland und führt in London Gespräche mit Nordirlands Premier James Chichester-Clark.

erster britischer Soldat stirbt in Nordirland: Robert Curtis ist der erste britische Soldat, der in Nordirland während eines Einsatzes ums Leben kommt, seit die Armee in Ulster eingesetzt wurde um die lokalen Sicherheitskräfte zu unterstützen. Curtis stirbt im Februar 1971.

Drei Monate später tötet die Provisional IRA drei britische Soldaten in Ligoniel. neuer nordirischer Premier: Stormont Premier James Chichester-Clark tritt im März von seinem Amt zurück. Sein Nachfolger wird mit den Stimmen der Ulster Unionists` Brian Faulkner.

Internment: Die Gewalt eskaliert im Sommer von 1971. Am 9. August verhaftet die Armee bei nächtlichen Aktionen 342 Republikaner und Nationalisten. Über hundert von ihnen müssen in den folgenden Tagen freigelassen werden. Die anderen werden ohne Gerichtsverhandlung in den Lagern festgehalten. Ausschreitungen in Belfast und Derry dauern weiter an, tausende Familien werden aus ihren Häusern vertrieben.

SDLP zieht sich aus Stormont zurück: Aus Protest gegen die ungerechtfertigten Internierungen ziehen sich SDLP und weitere nationalistische Abgeordnete aus Stormont zurück. DUP: Ian Paisley und William Boal gründen im Oktober die Democratic Unionist Party. Paisley fordert Nordirland solle direkt von London aus regiert werden.

McGurkss Bar Bombe: Schlimmster Anschlag 1971: eine Bombe der loyalistischen UVF (Ulster Volunteer Force) tötet am 4. Dezember 15 Menschen in Belfast. Bloody Sunday: 13 Katholiken sterben im Kugelhagel eines britischen Fallschirmjägerregiments:

bei einem Bürgerrechtsmarsch in Derry am 30. Januar 1972 sterben 13 Menschen. Die Ursachen sind bis heute nicht vollkommen geklärt. Am 2. Februar brennt die britische Botschaft in Dublin nieder. Die ‘Official IRA’ bombardiert die Kaserne der Fallschirmjäger in Aldershot, sieben Zivilisten kommen dabei ums Leben.

Direktherrschaft (‘Direct Rule’): Nachdem die Unruhen nicht abreißen, wird Faulkner nach London zitiert. Dort teilt im der britische Premier mit, London sei ab sofort für die Sicherheit in der Provinz Ulster zuständig. Faulknerss Regierung tritt zurück

  • 12 Monate Direktherrschaft von London beginnen. Praktisch dauert dieser ‘Direct

Rule’ die nächsten 25 Jahre. Zahl der Toten: Die Zahl der 1972 im Zuge des Nordirlandkonfliktes Ermordeten ist so hoch wie nie: 103 Soldaten, 41 Polizei und UDR-Beamte und 323 Zivilisten kommen ums Leben.

Quellenangaben

  • Vgl.: BBC: Key

  • Events in Northern Irelands History

Mehr aus Konflikte Alle Beiträge in Konflikte