Kriegsverbrechen in Italien
SS-Massaker in der Toskana
Im August 1944 überfiel eine SS-Einheit das Dorf Sant’ Anna di Stazzema in der Toskana Es geschah im Spätsommer 1944, ein halbes Jahr vor Kriegsende. Italien hatte kapituliert, die Alliierten waren in Nordafrika und auf Sizilien gelandet und drängten gegen die deutsche Front nach Norden vor. In den Alpen führten Partisanen einen Guerillakrieg gegen die Deutschen.
Unterstützt von Überläufern und entflohenen Kriegsgefangenen attackierten sie die Nachschublinien der SS- und Wehrmachtsdivisionen. Die Deutschen übten blutige Rache an den Widerstandskämpfern. Oft zählten jedoch Unschuldige zu ihren Opfern. Als eine SS-Panzergrenadierdivision im August 1944 das Dorf Sant’ Anna überfiel, ermordeten sie 560 der Einwohner. Die berüchtigte SS-Einheit zog eine wahre Blutspur durch Norditalien. Bis zu 2000 Zivilisten habe sie auf dem Gewissen, so wird vermutet.
Die Partisanen schließlich befreiten ganze Städte und riefen selbstverwaltete Republiken aus. Unter ihnen mischte sich anti-faschistischer Widerstand mit klassenkämpferischen Parolen. Den vorrückenden Amerikanern ging der praktizierte Sozialismus allerdings zu weit. In Süditalien brachten sie nach ihrer Landung zwei faschistische Kollaborateure an die Macht: Feldmarschall Badoglio und König Viktor Emmanuel III. Auch im Norden wurden Widerstandsgruppen und radikal - demokratische Experimente aufgelöst.
Aus Furcht vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch legte man den Marschall-Plan auf. Dieser freilich war nicht ganz uneigennützig. Mit den Geldern aus dem Kreditprogramm wurden US-Exporte nach Europa bezahlt. Die US-Wirtschaft ist auf Europa als Absatzmarkt und Raum für Investitionen angewiesen.
Aus Furcht vor einem Sieg der Kommunisten wurden die Nachkriegswahlen in Italien beeinflusst. Streikverbrecher schwächten die Gewerkschaften, und man drohte damit, Essensrationen zurückzuhalten. Die Pläne gingen sogar soweit, Italien im Falle eines Sieges der Kommunisten zu besetzen. Dieses Vorhaben wurde allerdings nicht in die Tat umgesetzt, weil ein kommunistischer Sieg ausblieb.
60 Jahre lang lagen die Akten über deutsche Kriegsverbrechen verschlossen bei der Militärstaatsanwaltschaft in Rom. Wohl auch aus Rücksicht auf den Bündnispartner BRD wurden im Kalten Krieg keine Prozesse angestrengt. Nun aber wurde Anklage gegen drei ehemalige SS-Männer erhoben. Wie das Verfahren ausgeht, und ob sich die Drei verantworten müssen, ist noch nicht klar.
Dossiers Die alternde Ge- sellschaft Einwanderung Planet Erde: unheilbar krank? (Bild privat) Umwelt (Bild privat) Globalisierung (Bild privat) Reisebilder (Bild privat) Erinnern (Bild privat)
- Mythos Nahost: Plan Dalet und das Massaker in Deir Jassin Wie 1948 die Vertreibung organisiert wurde
- Mythos Nahost: Plan Dalet, der Masterplan Zur Annektion Palästinas
- Kriegsverbrechen in Vietnam Tiger Force, My Lai und Operation Wheeler Wallawa
- Die Kreuzigung Kubas 40 Jahre US-Terror und Embargo