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Geschichte

Mythos Nahost: Plan Dalet und das Massaker in Deir Jassin

Wie 1948 die Vertreibung organisiert wurde

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Über die Entstehungszeit Israels ranken sich viele Mythen. Der Judenstaat kultiviert weiter sein Image als Opfer Das Verhältnis der Deutschen zu Israel ist noch immer von Schuld und Beklemmung geprägt. Die Last der Vergangenheit wiegt schwer, der Blick für eine objektive Betrachtung der modernen Geschichte des jüdischen Staates ist noch nicht frei. Über die Entstehungszeit Israels kursieren Mythen, die einem Blick auf die geschichtlichen Fakten nicht standhalten. Nicht erwähnt werden in den Schul- und Geschichtsbüchern die Verbrechen zionistischer Untergrundorganisationen, ihr Traum von einem “Groß-Israel”

und die Verantwortung der israelischen politischen Führung für den Exodus palästinensischer Flüchtlinge vor und nach dem ersten israelisch-arabischen Krieg von 1948/1949. Davon soll hier die Rede sein. Am 29. November 1947 verabschiedete die UNO-Vollversammlung die Resolution 181 (II), in der die Teilung Palästinas in einen jüdischen und einen arabischen Staat sowie die Internationalisierung Jerusalems vorgesehen war [Resolutionen der Vollversammlung sind im Gegensatz zu Resolutionen des Sicherheitsrates nicht bindend].

Da der jüdische Staat mehr als 56 Prozent der Gesamtfläche Palästinas umfassen sollte, wurde der Teilungsplan von den arabischen Staaten abgelehnt. Während die zionistische Bewegung die Vereinbarung akzeptierte, lehnten die jüdischen Terrorgruppen Irgun und LEHI (Stern Gruppe) diese kategorisch ab. In den folgenden Monaten kam es zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Juden und Palästinensern, die im Mai 1948 in den Krieg mündeten.

über die Empfehlung der UNO-Vollversammlung zur Teilung Palästinas vgl.: General Assembly Resolution 181 (II), Concerning the Future Government of Palestine, 29. November 1947, in: John Norton Moore: The Arab-Israeli Conflict, Vol. III., Princeton: Princeton University Press, 1974, S. 313-342.

Dezember 1947 - Blutbad in Khissas Am 18. Dezember 1947 drangen Kämpfer der Palmach [Teil der Haganah, des Vorläufers der israelischen Armee] in das palästinensische Dorf Khissas ein und töteten zehn Araber, darunter eine Frau und vier Kinder.

“Der israelische Militärhistoriker Uri Milschtein meint, dass diese von Mosche Dajan [späterer Verteidigungs- und Außenminister Israels] befehligte Operation im Gegensatz zur sonstigen Politik der Haganah stand - ‘relativ ruhige Gebiete sollten nicht aufgeheizt werden’ -, aber von Dajan dadurch gerechtfertigt wurden, dass sie einen ‘erwünschten Effekt’ zeitigte.”

(Uri Milshtein, Davar (Israel), 23. Oktober 1981, in: Noam Chomsky: Offene Wunde Nahost, Hamburg: Europa, 2002, S. 35.) “Sykes unterstellt, dass diese Maßnahme, drei Wochen vor dem Eindringen arabischer Freischärler in das Land, ‘die nächste Phase des Krieges ausgelöst’ haben könnte.”

(Christopher Sykes: Crossroads to Israel: 1917-1948, Bloomington, Ind., 1965, S. 337, in: Noam Chomsky: Offene Wunde Nahost, Hamburg: Europa, 2002, S. 35.) April 1948 - Massaker in Deir Jassin Am 9. April 1948, fünf Wochen vor Ausbruch des Krieges zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn, verübten Mitglieder der zionistischen Untergrundorganisationen Irgun und LEHI (Stern Gruppe) ein Massaker in der palästinensischen Stadt Deir Jassin. 250 Araber wurden ermordet.

Die Stadt lag außerhalb des für den zukünftigen jüdischen Staat vorgesehenen Territoriums auf palästinensischem Boden. Die Bewohner hatten sich zuvor geweigert, als Operationsbasis ausländischer arabischer Freischärler gegen jüdische Einrichtungen zu dienen.

Zionistische Terrorgruppen Über die jüdische Terrorgruppe LEHI (Stern Gruppe), die damals von Jitzhak Schamir [späterer israelischer Ministerpräsident] befehligt wurde vgl.: Noam Chomsky: Offene Wunde Nahost, Hamburg: Europa, 2002, S. 102, Fußnote 16:

“Es ist seit längerem bekannt, dass diese aus der Irgun hervorgegangene Gruppe den Nationalsozialisten angeboten hatte, mit ihnen gegen die Briten zusammenzuarbeiten. Das Thema erregte Aufsehen in Israel, als der Journalist B. Michael einen LEHI-Vorschlag von 1941 veröffentlichte, der sich an die Nazis richtete (Ha’aretz, 31. Januar und 6. Februar 1983). Der Vorschlag drückte Sympathie für die ‘deutsche Konzeption’ einer ‘neuen Ordnung in Europa’ aus und lief darauf hinaus, bei Bildung eines jüdischen Staates ‘auf nationaler und totalitärer Basis, die Beziehungen zum Dritten Reich herstellt’, zu kooperieren und die Interessen Hitler-Deutschlands im Nahen Osten zu schützen.

(Vgl.: Leni Brenner: Zionism in the Age of the Dictators, Westport, Conneticut, 1983; David Jisraeli: The Palestine Problem in German Politics, Bar Ilan Universität, Ramat Gan, 1974.) “Das Oberkommando der Haganah verurteilte die Operation und insbesondere die Plünderungen, die kürzlich entdeckten Dokumenten zufolge deren Ziel gewesen zu sein scheinen. Außerdem wies die Haganah darauf hin, dass die Ortschaft zu denen gehörte, die eine Kooperation mit den arabischen Streitkräften vermieden hatte. Auch von der Jischuw [der vorstaatlichen Abgeordnetenversammlung der Siedler in Palästina] wurde das Massaker offiziell verurteilt…

Einen Monat später [noch vor Ausbruch des Krieges] waren an die 300 000 Araber geflohen, ein Drittel davon aus Territorien, die dem palästinensischem Staat zugedacht worden waren.” (Noam Chomsky: Offene Wunde Nahost, Hamburg: Europa, 2002, S.

  1. Zu Zahlen über Flüchtlinge vgl.: Noah Lucas: The Modern History of Israel, London, 1974, S. 252, 460.) “Die Armeen der arabischen Staaten traten gleich nach der Gründung Israels [Gründungsdatum: 14. Mai 1948] in den Krieg ein. Die Kämpfe fanden fast alle auf palästinensischem Territorium statt und führten schließlich zu einer weiteren Teilung, wobei etwa die Hälfte des designierten Staatsgebietes Israel einverleibt wurde, während der andere Teil an Jordanien [damals noch ‘Transjordanien’] und Ägypten fiel. Das blieb so bis 1967, als Israel - zusammen mit dem Sinai und den Golanhöhen - auch den Rest noch eroberte. Während der Auseinandersetzungen von 1948 wurden etwa 700 000 Palästinenser vertrieben oder mussten fliehen.”

(Noam Chomsky: Offene Wunde Nahost, Hamburg: Europa, 2002, S. 36.) Weiter zu Teil 2: Plan Dalet: Masterplan zur Annektion Palästinas

Literatur

  • Noam

  • Chomsky: Offene Wunde Nahost, Hamburg: Europa, 2002; Noah

  • Lucas: The Modern History of Israel, London 1974; Zum

  • Verhältnis zwischen Israelis und Palästinensern: Simcha Flapan: Zionism and the Palestinians, London: Croom Helm, 1979; Simcha Flapan: The

  • Birth of Israel: Myths and Realities, New York: Pantheon, 1987; David

  • Hirst: The Gun and the Olive Branch,

  • New York, 1977; Edward W. Said: The Question of Palestine, New

  • York, 1979; Barry Rubin: The Arab States & Palestine,

  • Syracuse, 1981.

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