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Geschichte

Mythos Nahost: Plan Dalet, der Masterplan

Zur Annektion Palästinas

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Dalet: Masterplan zur Annektion Palästinas Das Massaker in Deir Jassin war Teil von Plan Dalet, dem Masterplan zur Annektion Palästinas. Über Plan Dalet [oder Plan D] vgl.: David Hirst: The Gun and the Olive Branch: The Roots of Violence in the Middle East, London:

Faber and Faber, 1977. Ein Auszug (S. 136, 138-139, 142): Die Gründung des Staates Israel - in größeren Grenzen als nach dem Teilungsplan vorgesehen - und die Flucht der einheimischen Bevölkerung, stürzte die Araber in solche Verzweiflung, dass sie diesen Tag bis heute al-nakba nennen: die Katastrophe…

[In der palästinensischen Stadt Deir Jassin verübten die zionistischen Untergrundorganisationen Irgun und LEHI (Stern Gruppe) am 9. April 1948 ein Massaker an 250 Arabern.] Das Massaker fand nicht nur fünf Wochen vor dem kritischen Datum statt [14. und 15. Mai 1948: Staatsgründung Israels und Kriegsausbruch], sondern zudem außerhalb des jüdischen Territoriums. Das war auf keinen Fall eine Vergeltungsaktion…

In Wirklichkeit war Deir Jassin integraler Teil von Plan Dalet, dem Masterplan zur Eroberung ganz oder des größten Teils Palästinas… Offiziell war nichts über Plan Dalet bekannt… obwohl sich Ben Gurion [Staatsgründer Israels] in einer Rede [7. April 1948] an die Zionistische Exekutive darauf bezog:“‘Wir wollen nicht mit rein defensive Taktiken zufrieden sein, lasst uns unsere Feinde zum richtigen Zeitpunkt innerhalb und außerhalb unseres Landes attackieren und vernichten…”

Nach Angaben der Qurvot (Schlachten) von 1948, einer detaillierten Geschichte der Haganah und der Palmach [zionistische Kampftruppen] war das Ziel von Plan Dalet die “Kontrolle des jüdischen Territoriums nach dem UNO-Plan, zuzüglich der besetzten Gebiete außerhalb dieses Bereichs, um eine Invasion der arabischen Armeen abzuwehren”. Vorgesehen war außerdem die Vertreibung der dort ansässigen arabischen Bewohner…

Nach Ende des Krieges im Januar 1949 hatten die Zionisten, denen nach dem Teilungsplan 57 Prozent Palästinas zugedacht waren, 77 Prozent des Landes unter ihrer Kontrolle. Von den 1,3 Millionen arabischen Einwohnern hatten sie 900 000 vertrieben.

Vgl. ebenso: Avi Shlaim: The Iron Wall: Israel and the Arab World, New York: Norton, 2000. Ein Auszug (S. 31): Plan D, der von den Spitzen der Haganah im frühen März [1948] ausgearbeitet worden war, war ein Meilenstein in der Entwicklung ihrer Offensiv-Strategie. In den vergangenen Monaten hatten palästinensische Verbände die Hauptstraße zwischen Tel Aviv und Jerusalem blockiert und waren drauf und dran, in den Kämpfen mit Einheiten der Haganah die Oberhand zu gewinnen. Nach mehreren Niederlagen entschieden die führenden Generäle der Haganah, selbst in die Offensive zu gehen.

Ziel von Plan D war es, jüdische Gebiete innerhalb und außerhalb des eigenen Territoriums und jüdische Siedlungen zu sichern, um eine solide Basis für den künftigen Staat zu schaffen. Der Plan sah vor, arabische Städte und Dörfer zu annektieren, was die Haganah zuvor so noch nie beabsichtigt hatte.

Obwohl Plan D nur ungenau formuliert war, lief er darauf hinaus, die arabischen Bewohner zu vertreiben. Die Durchführung des Planes im April und Mai trug deswegen entschieden zur Entstehung des palästinensischen Flüchtlingsproblems bei… Plan D war kein politischer Freischein zur Vertreibung der Palästinenser; es war ein militärischer Plan mit militärischen und territorialen Zielen. Jedoch genehmigte und rechtfertige er die Einnahme arabischer Städte, die Zerstörung arabischer Dörfer und die Vertreibung der Bewohner. Ende 1948 war die Zahl der palästinensischen Flüchtlinge auf rund 700 000 angewachsen. Die erste und größte Flüchtlingswelle aber entstand vor dem offiziellen Ausbruch des Krieges am 15. Mai 1948.

Siehe außerdem: Ilan Pappé: The Making of the Arab-Israeli Conflict: 1947-1951, London: I.B. Tauris, 1992. Ein Auszug (S. 85, 96): Nach Ausarbeitung von Plan D gingen die Juden von der Defensive über in die Offensive. Der Plan zielte darauf ab, die jüdische Kontrolle in Palästina auszuweiten… Vom 1. April 1948 bis zum Ende des Krieges zielten die jüdischen Operationen darauf ab, den größten Teil Palästinas zu erobern [zwischen Ben Gurion und dem jordanischen König Abdallah existierte ein Geheimplan, nachdem Jordanien das Westjordanland besetzen und später kontrollieren sollte. Der Plan wurde auch so ausgeführt. Ben Gurion hielt die Armee vorm Einmarsch in das Westjordanland zurück]… Bei Kriegsausbruch am 15. Mai 1948 waren bereits rund 300 000 Palästinenser auf der Flucht. Die Zahl der Flüchtlinge verdoppelte sich bis Kriegsende, ein UNO-Bericht sprach von bis zu 750 000 Flüchtlingen.

Siehe ebenso: Simcha Flapan: The Birth of Israel: Myths and Realities, New York: Pantheon, 1987, S. 81-118. Ein Auszug (S. 42, 83-84): Im April 1948 drangen Kämpfer des Irgun tief nach Jaffa ein, das außerhalb der jüdischen Grenzen lag… Ben Gurion löste die Dissidenten [gemeint sind Irgun und andere zionistische Untergrundorganisationen] trotz öffentlicher Verurteilungen erst nach der Staatsgründung auf. Er hätte das schon früher tun können, wenn es seinen Plänen dienlich gewesen wäre, tat es aber nicht. Die Terroristen arbeiteten sehr erfolgreich und dehnten die Kampfhandlungen in Gegenden aus, die ursprünglich nicht für den Judenstaat vorgesehen waren…

Die jüdischen Streitkräfte vertrieben während der Kämpfe zwischen 600 000 und 700 000 palästinensischer Araber aus jüdischen und besetzten nicht-jüdischen Gebieten, die später nach Israel integriert wurden. Während und nach der Massenflucht wurden alle Anstrengungen unternommen - von der Zerstörung von Dörfern bis zur Verhängung von Gesetzen -, um ihre Rückkehr zu verhindern.

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Literatur

  • Noam

  • Chomsky: Offene Wunde Nahost, Hamburg: Europa, 2002; Noah

  • Lucas: The Modern History of Israel, London 1974; Zum Verhältnis zwischen Israelis und Palästinensern: Simcha Flapan: Zionism and the Palestinians, London: Croom Helm, 1979; Simcha Flapan: The

  • Birth of Israel: Myths and Realities, New York: Pantheon, 1987;

  • David Hirst: The Gun and the Olive Branch, New York, 1977;

  • Edward W. Said: The Question of Palestine, New York, 1979;

  • Barry Rubin: The Arab States & Palestine, Syracuse, 1981.

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