Islam ist nicht gleich Islamismus
Gefahr einer Polarisierung zwischen West und Ost
Terror gegen die USA Am 11. September 2001 wurden die Vereinigten Staaten Opfer eines vernichtenden Terroranschlags. Zeitgleich kaperten Terroristen vier amerikanische Passagierflugzeugmaschinen, die im Luftraum über der amerikanischen Ostküste unterwegs waren. Zwei von ihnen steuerten die Hijacker in die Zwillingstürme des World Trade Centers, die kurz darauf in sich zusammenfielen. Das dritte Flugzeug, ebenfalls eine Passagiermaschine der Fluggesellschaft American Airlines, lenkten sie in das amerikanische Verteidigungsministerium. Die vierte Maschine erreichte ihr anvisiertes Ziel nicht. Sie stürzte in Pennsylvania in ein Waldstück und zerschellte am Boden. Alle Insassen, auch die Entführer, überlebten den Absturz nicht.
Nach tagelangen intensiven Nachforschungen meldeten die Ermittlungsbehörden, die Attentäter kämen mit hoher Wahrscheinlichkeit aus dem islamischen Raum. Für diesen Verdacht habe man entsprechende Indizien. Alles spreche dafür, dass der Irak oder der Saudi bin Laden hinter den Anschlägen stecken. Eine evidente, zum Abschluss gebrachte Beweiskette existiert bis heute aber nicht. Noch immer weiß man nicht mit hundertprozentiger Sicherheit, wer die Attentate in Auftrag gegeben und organisiert hat. Vieles deutet darauf hin, dass der Saudi Osama bin Laden der Drahtzieher der Anschläge ist. Gegen ihn gibt es jedoch keinen internationalen Haftbefehl, nicht einmal eine Anklage. Würde er festgenommen werden, müsste er demnach vor jedem rechtsstaatlichen Gericht freigesprochen werden. Man ist sich jedoch einig, dass bei der politischen Bewertung dieser Tat strafrechtliche Kriterien nicht ausreichend sind. Allenfalls käme in Betracht, bin Laden und andere Mitglieder wegen der Bildung einer terroristischen Vereinigung haftbar zu machen.
Moslems werden angepöbelt Rasch war man nach Bekanntmachung des muslimischen Hintergrunds der Täter dabei, den ganzen Islam als fundamentalistisch einzustufen. In Amerika und auch in Deutschland wurden Moslems angepöbelt, beleidigt und bedroht.
Mittlerweile hat sich die öffentliche Erregung wieder eingedämmt, und man ist bemüht, des Bild des Islams seiner wahren Natur nach zu zeichnen, nämlich keinesfalls als gefährlich und fundamentalistisch. Unterscheidung zwischen Islam und Islamismus Zwischen den beiden Wörtern Islam und Islamismus existiert ein fundamentaler Unterschied. Islam ist wie das Christentum oder das Judentum eine Religion. Weltweit bekennen sich etwa 1,2 Milliarden Menschen zum Islam. Wie im Christentum und Judentum auch, unterscheidet man innerhalb des Islams verschiedene Glaubensrichtungen und Ausprägungen.
Selbstredend existieren darunter auch fundamentalistische Strömungen, die gibt es im Christentum, vor allem im nordamerikanischen Protestantismus und im Judentum, jedoch genauso. Fundamentalists nannte man zu Beginn des 19. Jahrhunderts jene Protestanten in Nordamerika, die sich mit der Bibel in der Hand gegen die Darwinsche Evolutionstheorie stellten, und eine Rückkehr zu den Fundamenten der Religion forderten.
Im Gegensatz dazu bezeichnet das Wort Islamismus die Umwandlung der Glaubensform Islam in eine Ideologie durch Gruppen, die in der islamischen Welt weiterhin in der Minderheit sind. Islamismus ist also die ideologisierte bzw. politisierte Verwendung des Islams, mit dem Ziel, die bestehende Regierung zu Fall zu bringen, und eine neue Weltordnung auf der Basis der subjektiven Auslegung der religiösen Quellen zu errichten.
Zwischen den Wörtern Islam und Islamismus besteht also ein grundlegender Unterschied. Ein Muslim ist kein Islamist. Islamisten sind in der islamischen Welt weiterhin in der Minderheit, nur im Sudan und in Afghanistan sind sie an der Regierung. Allerdings können sie ein nicht zu unterschätzendes Potenzial an Befürwortern mobilisieren, weil die Bewegung der Islamisten meist als Sammelbecken sowohl für politisch Unzufriedene, sozial Benachteiligte, aber auch für Intellektuelle funktioniert.
Keine Polarisierung Neben ca. 1 Milliarde Christen leben gut 1,2 Muslime auf der Erde. Der geographische Bogen spannt sich von Nordafrika, über den Nahen und Mittleren Osten bis zu den Inselgruppen der Philipinen im Fernen Osten. Beide Seiten, der Westen christlich-abendländischer Prägung und der islamische Raum, haben kein Interesse an einer Konfrontation.
Nicht alle Muslime sind Terroristen, aber die meisten Terroristen sind Muslime. Dies zeigt, im islamisch-arabischen Raum gibt es eine neue soziale Strömung, die zunehmend ablehnend auf die amerikanische Dominanz im Nahen und Fernen Osten schaut, und bereit ist, diese mit Gewalt zu bekämpfen. Anstatt nun in einem gewaltigen Militärschlag auszuholen, und sämtliche arabische Länder anzugreifen, die unter Verdacht stehen, islamistische Terrorgruppen zu unterstützen, sollte man sich besinnen, und der Behebung der vielen sozialen Ungleichgewichtige im islamisch-arabischen Raum tatkräftig begegnen.
Ein amerikanischer Angriff, mit oder ohne Unterstützung durch die Staatengemeinschaft, könnte durchaus zu einer Polarisation zwischen West und Ost führen. Dann gibt es keine amerikanisch-arabische Koalition, wie noch zu Zeiten des Golfkrieges gegen Saddam Hussein.
Dann könnte sich die islamische Welt geschlossen gegen Amerika wenden, und den angegriffenen Bruderstaaten in der Region militärisch zu Hilfe kommen. Nutznießer einer solchen Politik wären zudem die islamistischen Parteien im arabischen Raum. Im Falle eines amerikanischen Großangriffs würden sie moralisch gestärkt aus den Auseinandersetzungen hervorgehen und die bestehende Ordnung im Staate ins Ungleichgewicht bringen. Gefährdet in diesem Fall wären so ungleiche Länder wie Pakistan und Ägypten, die zwar als pro-amerikanisch, bzw. im Falle von Ägypten als moderat und pro-westlich gelten, die aber eine starke islamistische Opposition haben, die in einem solchen Falle wahrscheinlich vermehrt Zulauf bekäme, und die regierende Partei gefährden könnte. Die USA sind also gut beraten, klug und weise abzuwägen, und vor allem die innerarabischen Folgen eines umfassenden Militärschlags abzuwägen.
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